Unser Weg 3/10: Die Entscheidung zum Offenstall

Vor einer Weile hatte ich mit einer Serie darüber angefangen, welche Entscheidungen bzgl. der Ausbildung, Haltung und Co. meiner Pferde ich getroffen habe. Heute also dann nach den Themen Barhuf und Longieren ohne Ausbinder das Thema: Haltung im Offenstall.

Ich habe in einem „normalen“ Reitstall meine Jugend verbracht.

Die Pferde standen in Boxen, keiner hat sich etwas dabei gedacht. Es war „normal“, dass es drinnen wärmer war als draußen im Winter, dass ich nach dem Stallbesuch nirgendwo hingehen konnte, solange ich nicht bis auf die Unterwäsche neue Klamotten angezogen und geduscht hatte – der Ammoniakgeruch hing einfach zu fest.

Es war genauso „normal“, im Winter auf Bocksprünge, langes Warmführen oder -reiten gefasst zu sein.

Es ist immer die Frage, wer die Normalität definiert.

Eine Freundin gab mir ihren Fjordi-Jungspund als Reitbeteiligung. Der stand im Offenstall, im Sommer und Winter. Er war oft schlammverkrustet, hatte im Winter langes Puschelfell, dass auch nach dem Reiten wieder trocken musste, manches Mal musste ich ihn im Regen von der Anlage holen, manches Mal auch im Dunkeln. Aber dieses Pferd hatte ein Leben, wenn ich nach Hause ging. Es hatte seine Freunde. Es konnte spielen, fressen, rennen, wie es wollte.

Und recht schnell änderte sich meine Normalität.

Ich begann mich zu fragen, was mein Reitbeteiligungspferd am Reitverein wohl davon hielt, dass ich von außen die Box verschloss, wenn ich ging. Dass es nicht wusste, wann sich die Box von außen wieder öffnen würde. Dass es bis dahin nichts zu tun haben würde als die Wände anzustarren.

Ich begann ein schlechtes Gefühl zu haben.

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Ein Foto aus alten Zeiten. Für uns wird es das hoffentlich nie wieder geben.

Als Simba zu mir kam, stand er auch zunächst an einem Boxenstall, wo er aber im Sommer 24 Stunden auf der Weide war. Dann zogen wir an einen Stall um, wo er in einer Paddockbox stand. Und danach zog er in den Offenstall und ich versprach ihm, dass er dauerhaft in keine Box mehr muss.

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So verbringt Simba seine Zeit, wenn ich nicht da bin. ❤ Die Zufriedenheit, wie er genüsslich im Stroh liegt, macht mich glücklich! Um ihn herum ist seine Herde, jeder macht, was er will…
Ich mag ein unabhängiges Leben – für mich und meine Pferde. Sie sollen so frei und unabhängig von mir sein, wie in unserer Welt möglich. Und ich möchte den Luxus haben, stallfreie Tage ohne schlechtes Gewissen zu haben.

Von den Vorteilen, dass das Immunsystem, die Verdauung, Muskulatur, Sehnen, Bänder, der Leistungswille und die Stimmung der Pferde nachweislich besser ist, ganz zu schweigen.

Es ist schwer, gut geführte Offenställe zu finden. In den ersten zwei gemeinsamen Jahren haben wir an 6 Ställen gestanden, und waren immer nach kurzer Zeit unzufrieden, weil für uns wesentliche Punkte nicht erfüllt waren. Wir haben seit November 2011 das Glück, angekommen zu sein, unsere Basis, unser zu Hause in einer wunderbaren Anlage gefunden zu haben, die passenderweise ‚Freewalkers-Home‘ heißt.

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Unser Stall, unser Zuhause – so perfekt, wie es nur sein kann ❤
 Ich finde, wir sollten alle weiterhin dafür eintreten, dass Pferde ein Leben außerhalb der unheimlich kurzen Zeit brauchen, die wir am Tag mit ihnen verbringen. Wir sollten Stallbesitzer finden und unterstützen, die Pferde artgerecht leben lassen. So artgerecht, wie es eben geht. Und meist geht eine ganze Menge.

Und an alle, die derzeit noch ihren Stall suchen: Gebt nicht auf!

Ich war oft genug verzweifelt – und bin so unendlich glücklich darüber, weitergesucht zu haben… ❤

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„Meine“ Beiden. Freundschaft fürs Leben. Auch wenn meine Schwester und ich nicht da sind, verbringen die Beiden sehr viel Zeit sehr nah beeinander, im Offenstall und im Sommer auch auf der Weide.

 

Our way 3/10: Horses lifes without boxes

I started with some posts about my basic decisions about the life of my horses regarding their hooveslonging with a cavecon, education. Today I’ll tell about the choice of the stable, which is for sure one of the most influencing points.

I grew up in a „normal“ stable, where all of the horses lived in boxes, separated by walls or grids. As well it was „normal“ that it was warm inside the stable in winter, and that I had to completely undress after being there before going anywhere else because of the smell of ammonia inside my clothes and hairs.

Bucking and other dangerous naughtinesses were „normal“ while riding – and it was always dangerous in winter, that some horse freaked out before being warm and getting injured.

So let’s say: It is just the question, who defines normality.

A friend of mine offered me to ride her norwegian pony. He lived in an open stable during the whole year – with loads of fur in winter, covered with mud and often I had to fetch him in darkness or rain. BUT: This horse had a life, when I went home. He had his friends, he could decide, whether to eat or dring, or sleep or run.

My normality changed.

I started to ask myself, what „my“ horse in the conventional stable would think, when I close the door of his box and he could just hope, that it won’t take that long until the next person will open it again.

My conscience could not endure it easily anymore.

When Simba crossed my life, he moved quite early in an open stable as well and I promised him, as long as there would be any reasonable alternative, I would not cage him again during every-day-life.

I love my life being independent – and I want the same for my horses, as far as it is possible in our world. I know, how hard it is to find a good stable, we tried out 6 before finding ours, but it is absolutely worth it not to quit. Beside the benefits for the horses – for their movements, muscles, tendons, hooves, mood and digestion – it is great to have the possibility to have „days off“ and not to go to the stable, without any bad conscious.

Let’s keep on the effort, to build up a better and better surrounding for our horses. For me, giving them the chance to have a self-determinded life is part of it.

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