Unser Weg 2/10: Die Kunst, ohne Ausbinder zu Longieren – und wie auch du das lernen kannst

Nach kurzer Zeit konventioneller Arbeit mit Simba stand fest: So nicht!

Es artete alles in Kämpfe aus – Sporen, Gerte, Ausbinder, Druck. Ich wollte anders mit meinen Pferden Zeit verbringen!

Ein Thema war das Longieren (muss man ja so machen – zum Muskel- und Konditionsaufbau und für die Abwechslung, so hatte ich es schließlich gelernt). Nur wie? Mit Ausbindern lief Simba unwillig, ohne als Sternengucker – oder Trüffelschwein (und trotzdem mit durchhängendem Rücken…)

Ich fand den Longen-Selbstlernkurs von Babette Teschen und Tania Konerth (schaut mal auf Wege-zum-Pferd: tolle Artikel über Pferdeausbildung und wie man sich selbst und dem Pferd gegenüber achtsam und respektvoll bleibt) als PDF-Dokument zum Kauf per Internet. Puh. Sollte ich? Andererseits – zur Not wäre das Geld halt weg… kein Weltuntergang.
Also überwies ich das Geld und bekam postwendend den Kurs. Longieren ohne Ausbinder? Kappzaum? Arbeit am Anfang nur im Schritt?

Ich ließ mich drauf ein. Fortan kreiselten wir im Schritt über den Zirkel, übten fleißig Stellung im Stand und Schritt. Versuchten uns daran, dass Simba nicht wie ein Motorrad in der Kurve liegt, sondern sich biegt wie ein Zug. Naja, mit mäßigem Erfolg…

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„Führen in Stellung“ – es brauchte sehr viel Übung, damit Simba mich so nah an seinem Kopf arbeiten ließ und dabei locker wurde

Nicht nur das Pferd, auch ich war hoffnungslos mit meinem Körper überfordert. Bedienen der Gerte und Longe mit links? Den Blick gleichzeitig auf Genick, Schulter und am besten noch Hinterhand haben? Witzig. Alles nie gemacht.
Meine Ungeduld und der weitergegebene Druck auf Simba, wenn etwas nicht klappte, half nie. Zu mehr Reflektion war ich damals häufig nicht fähig. Simba war von Anfang an mein großartigster Lehrer. Seine klare Regel: werde ich angespannt, unfair oder ungerecht, stellt er die Kooperation ein!

Unsere stetigen Versuche, aufeinander einzugehen, ließen das Verständnis und Vertrauen wachsen.

Das hat mir in 1000-den Momenten nicht meine Zweifel genommen…

…aber ein Zurück war keine Option.

Am Longenkurs lag der holprige Start nicht. Der Kurs ist umfangreich, mit tollen Bildern und Beispielen versehen und auch für komplette Anfänger wie mich damals super verständlich. Wörter, die in jeder Reitstunde über den Reitplatz hallen wie „Stellung“, „Biegung“, „Geraderichten“ werden von Grund neu angegangen, erklärt und bekamen plötzlich eine Bedeutung für mich.

Nach mehreren Praxis- und Theoriekursen bei Babette sah unsere Arbeit für den geneigten Zuschauer langsam wieder nach „Longieren“ aus – und es fiel auf, dass Simba ohne Ausbinder gut läuft. = )
Ein erster Erfolg. Mit der Zeit ließen sich die erarbeiteten Basics auch unter den Sattel mitnehmen.

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Freie und korrekte Kopfhaltung im Schritt…
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…Trab…
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…und Galopp. =)

Der Beginn von etwas Wunderbarem – Simba und ich hatten einen gemeinsame Sprache gefunden, wir waren keine Analphabeten mehr.

Babette und Tania, ich bin euch von Herzen dankbar, damals über eure Seite gestolpert zu sein! Unser Weg bekam eine neue, wundervolle und für uns passende Richtung!

Für alle also, die bislang ohne Ausbinder an der Longe nicht auskommen und keinen Trainer der akademischen Reitkunst in der Nähe haben (wir longieren ja auch am Kappzaum): klare Kaufempfehlung für den Longenkurs! Ihr bekommt einen Überblick, viel Basiswissen und tolle Übungen für den Einstieg!

Bist du an einem Tages- oder Wochenendkurs zum Thema Longieren interessiert? Melde dich doch bei mir!

 

Als nächstes haben wir die Zirzensik für uns entdeckt – davon das nächste mal mehr!

 

Our way 2/10: Longing with a cavecon – and how you can learn it as well

After just a short time caught in conventional work, I decided: that’s not our way at all! Everything ended up in discussions, pressure or even violence. I wanted to spend my time with more inspiring measures.

One day I found an auto-didactic PDF-course for longing – written by Babette Teschen/ Tania Konerth (have a look here) Should I try? In the worst case I would have spent 30 euros for getting no outcome – Not such a big disadvantage. I sent the money, and just a little later I got my course. Now I realized how less I knew: longing without these stuff to make the horse holding his head in the ‚right‘ position? With a cavecon? Never done it before…

I can understand everyone who thought I got completely crazy during that time. I was overwhelmed with all the new movements, handlings, I was overstrained to use my left hand as propriate as my right one, to look at Simbas shoulder, his spine, his hindquarter AT THE SAME TIME, …
Simba was a great teacher of mind- and bodyawareness. He followed a strict rule: I got tensed, unfair or unpatient – he stopped cooperating.

Our relationsship got better – and despite all my doubt that’s why we continued.

After some weekend clinics with Babette Teschen we came to a point, we could call our work ‚longing‘ again. ; ) Simba was able to move on a circle in a smooth, balanced way – and we could take everything over to the ridden work.

This course was our beginning of an amazing way – we found a common language…

Thank you a lot, Babette and Tania, for everything we learned during that years!

For all of you, who are not in to this topic or the Academic Art of Riding: just buy this course! You get a complete overview over the theme and exercises for your beginning with your horse!

You are interested in day- or weekend-clinics in longing? Just contact me.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Melissa Michaelia sagt:

    Wie lange habt ihr zwei gebraucht? Und woher wusstest du, dass er genug Muskeln am Widerrist und allgemein im Rücken hat?

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    1. melanieholz sagt:

      Zur Zeit des schlimmsten Zustands kam erschwerend auch dazu, dass Simba zu wenig Heu abbekam in seinem Offenstall und unter Dauerstress stand. Das hat sich nach dem Wechsel in unseren jetzigen Stall massiv gebessert.

      Die „andere“ Arbeit haben wir schnell gemerkt, sprich innerhalb der ersten Monate. Da war zwar noch nichts perfekt, aber wir haben wieder gelernt. Und es gab eine Zielrichtung – der Ausblick, wohin es führt (Handarbeit, Seitengänge, das Mitnehmen in den Sattel,…).

      Ich mag runde Pferde, und Simba wurde runder. Der Widerrist, die Schulterblätter, die Dornfortsätze, die Hüfthöcker – alles „verschwand“ nach und nach, weil die Muskulatur ausgeprägter wurde.

      Hilft dir das?

      Gefällt mir

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