Heimkehr

Ich bin Melanie, 27 Jahre alt, Pferdebesitzerin und Reiterin aus Leidenschaft. Zu mir gehört seit fast 7 Jahren mein Hannoveranerwallach Simba. Dreamer, der Brandenburgerwallach meiner Schwester, begleitet auch immer wieder einen Großteil meines Lebens. Beide kamen und veränderten fast alles, was ich damals glaubte, über Pferde zu wissen. Everything in life happens for a reason.

Letztendlich hat Simba uns den Weg geführt, der auf Lindegård in Dänemark am Hof von Bent Branderup auskam. Die letzten drei Monate verbrachte ich dort als Working Student, um mehr über die Akademische Reitkunst zu lernen.

Es war ein großer Schritt, den Urlaub von zwei Jahren zusammen zu legen und für drei Monate ins Ausland zu fahren. Simba hat mich natürlich begleitet und mehr als einmal bewiesen, dass die gemeinsame vertrauensvolle Basis unerschütterlich ist: ich bin meiner Fellnase unendlich dankbar, dass sie solche Unternehmungen gelassen und abenteuerlustig mitmacht.

Die Anreise vor drei Monaten war äußerst turbulent. Nach einem Motorschaden auf der Autobahn, Umladen und Zwischenstation bei seinen Züchtern Schierenbeck in Bremen mussten wir aufgrund eines Sturms vor der Fehmarnsundbrücke unseren Plan aufgeben, Dänemark in einem Tag zu erreichen und eine Nacht Obdach auf einem Reiterhof kurz vor Fehmarn suchen. Nach allem ließen sich Simba und Dreamer abladen und in einer fremden Box unterbringen, als wäre es Alltag. Das Laufenlassen in der Halle am nächsten Morgen, das erneute Verladen und die Weiterreise nach Lindegård verliefen genauso unspektakulär. Insgesamt ein wunderbarer Test unserer Beziehung in Ausnahmesituationen – bestanden.

 

Für mich war es eine Herausforderung, trotz der Missgeschicke ruhig zu bleiben und nach Lösungen zu suchen. Ich schaffte es und wurde belohnt: Schierenbecks sagten uns spontan zu, unsere Pferde kurzzeitig unterbringen zu können; der Angestellte vom ADAC fuhr nicht nur die nächste Werkstatt, sondern vorher noch den Reiterhof Schierenbeck an, um die Pferde unterzubringen und organisierte uns einen Leihwagen, der unseren Pferdehänger ziehen kann. Nicht zuletzt hatte direkt mein erster Anruf bei einem gegoogelten Reiterhof am 1. Advent um 21:15 Uhr Erfolg und uns wurde spontan eine Unterkunft für die Nacht zugesagt.

„Mangelndes Vertrauen ist nichts als das Ergebnis von Schwierigkeiten. Schwierigkeiten haben ihren Ursprung darin.“ (Lucius Annaeus Seneca)

Angekommen[1]

Der Alltag auf Lindegård verlief sehr strukturiert, obwohl über die Wintermonate hier deutlich weniger Betrieb ist als im Sommer. Morgens um 6 Uhr ging es nach einem kurzen Frühstück in den Stall: füttern, tränken, misten, Bents Hengste putzen und die ersten Pferde auf die Paddocks bringen. Danach blieb kurz Zeit für einen Kaffee und ein zweites Frühstück, damit um 10 Uhr der Unterricht für mich und den zweiten Working Student begann. Ab 11 Uhr konnten wir dann bei Bents Arbeit mit seinen Pferden zusehen, was großartig ist. Daher haben wir diese Zeit fast jeden Tag ausgenutzt, egal, ob es kalt und nass war und ein warmer Tee drinnen verlockend gewesen wäre.

Um 14 Uhr wurde erneut gefüttert und getränkt. Am Nachmittag blieb Zeit für all das, was auf einem Hof so anfällt, sei es Zäune reparieren, die Halle abziehen oder wässern, die Paddocks abäppeln oder oder oder. Um 19 Uhr stand der „Abendstall“ an: Füttern, tränken, die Boxen für die Nacht herrichten.

Meist haben wir es geschafft, mit unseren Pferden nachmittags oder abends noch einmal in die Halle zu gehen, um das, was wir im Unterricht erarbeitet hatten, nachzuvollziehen und im besten Falle umsetzen zu können. An manchen Tagen war es aber auch schön, einen Spaziergang zu machen, eine kleine Runde ins Gelände zu reiten oder einfach einen Ruhetag einzulegen.

Meine oft vorhandene Faulheit und der Hang zur Prokrastination haben häufig für inneren Ärger gesorgt, wenn wieder eine Aufgabe anstand. Als ich es geschafft hatte, diesen Ärger ziehen zu lassen und meinen Fokus uneingeschränkt auf das zu legen, was ich gerade tue, wurde es auf einmal besser.

Hatte ich gedacht, bereits am Anfang die Lektion in Ruhe und Gelassenheit gelernt zu haben, lag ich meilenweit daneben. Simba, sonst immer gesund und leistungsbereit, war die Hälfte der Zeit lahm, zweimal deutlich, sonst oft klamm. Puh. Arbeit im Schritt oder Stand? Wo wir doch so viel „mehr“ zeigen und lernen wollten? Und das über Tage oder vielleicht Wochen? Das war nicht in meinem Sinn. Sämtliche negativen Emotionen – Hilflosigkeit, Frust, Wut, Enttäuschung, Verzweiflung – wollten angenommen und ergründet werden. Im Endeffekt blieb die Erkenntnis, dass vieles im Leben nicht planbar ist, man aber gut daran tut, den Fokus nicht zu verlieren und das Selbstmitleid hinten anzustellen.

Nichts anderes hätte mich Energiebündel so effizient dazu zwingen können, mich intensiv mit der Basis und den vielen alles ausmachenden Kleinigkeiten zu beschäftigen. Geht die Parade durch das ganze Pferd? Wie bewegt sich die Schulter bei der Parade, wie beim Vorwärts-Abwärts? Kann ich zwischen viel und wenig Stellung an jeder Position Nachgiebigkeit erreichen?

Und vor allem: Gebe ich statt der richtigen Hilfen mal wieder „einfach“ mehr falsche?

So gestaltete sich die Lehrzeit dort als Aneinanderreihung von Lektionen, von denen ich entweder dachte, sie längst gelernt zu haben, oder einfach nicht lernen zu müssen.

Am Anfang dachte ich, drei Monate seien ungefähr eine Ewigkeit. Weit gefehlt. Kaum war ich in Dänemark, ging ein Tag wie der Andere und nun bin ich schon seit drei Tagen daheim.

Ich wäre gerne noch geblieben, es gibt noch so viel mehr zu Lernen. Ich freue mich aber auch auf die Zeit, all die Pläne und Ideen in Ruhe auszuarbeiten. Sie werden, genau wie weitere Bericht aus der Zeit in Dänemark, Grundlage für diesen Blog sein.

 

 

 

 

Homecoming

My name is Melanie, 27 years old, and a passionate rider and horseowner. My hannoveranian gelding Simba belongs to my life since almost 7 years . Dreamer, my sisters gelding, accompanies a large part of my life as well. Both of them came and changed nearly everything I thought I knew about horses. Everything in life happens for a reason.

At long last, Simba lead us the way, which for now endet in Denmark on Lindegård, the stable of Bent Branderup, founder of the Academic Art of Riding. The last three month I spent there as Working Student to receive lessons and learn more about dressage.

It was hard decision to take all my leave of two years together using it for going abroad for three month. Of course Simba was with me. More than once it was proved that our trusting basis is imperturbable: I am so infinitely thankful that he joins in such undertakings in a calm and adventurous mood.

Getting there was extremely turbulent. After having an engine failure on the highway, transshipping as well the horses and the luggage and a forced stop at Schierenbecks in Bremen, who were the breeders of Simba we had to cancel our plan to reach Denmark in a journey of just one day. There was a storm preventing us from crossing the Fehmarnsund-Bridge so we had to search for accommodation for one night. After all, Simba and Dreamer were as calm when they got down from the trailer as if it would be there everyday life. Just like that, the visit of the riding area on the next morning (the bridge was still closed…), the load and the trip to Denmark were unspectacular. All in all it was a great test of our relationship in extraordinary measures – we passed!

For me it was a challenge to stay relaxed except the mishaps and search for solutions. I did it and was rewarded: Schierenbecks had two boxes for our horses, the employee of the ADAC helped us to get our horses to the stable and organized a new car which was able to pull our trailer. Not at least my first call at an unknown stable at 21:15 on sunday evening for getting an accommodation for us and the horses was successful.

A lack of trust is nothing else than the result of difficulties. Difficulties originating in it.” (Lucius Annaeus Seneca)

The everyday life at Lindegård was very structured, even if there is less action in winter than during the summer month. At six a.m. we were supposed to feed the horses, give them water, muck out the boxes and clean Bents stallions for the morning training. After it, there was a little time for a coffee and breakfast. At 10 a.m. the lessons for me and
the second working student beside me started. From 11 a.m. Bent worked with his horses what is fantastic to look at. Therefore we used this time almost every day no matter if it was cold or rainy or a cup of warm tea inside was tempting.

At 2 p.m. we had to feed the horses again and refill the water bottles. In the afternoon there was time for all the things coming along in a stable: straighten and watering the riding area, clean the paddocks etc. At 7 p.m. it was time for the “evening stable” – feeding, giving water, preparing the boxes for the night.

Mostly we managed it to work with our horses a second time every day, either in the afternoon or in the evening to comprehend and convert the learned stuff of the lesson. Nevertheless there were a few days we just went out for a walk or did nothing.

My always re-emerging laziness and the hang on procrastination employed me a lot, even if there was another task to do. Only when I got ready with that inside and managed it to focus unrestricted on what have to be done, it got better.

When I thought I already learned my lesson in calmness and serenity in the beginning, I was totally wrong. Simba who had been healthy and powerful for years, was lame half of the time in Denmark. Fuck. Just work in stand or in walk? When I planned to show and learn so “much more”? And that for days or maybe weeks? That was not in my sense, not at all. All negative emotions – helplessness, frustration, fury, disappointment, despair, … – wanted to be processed. In the end there was the knowledge that life is not concerning about plans, but it’s good not to loose your focus and – especially – let pass the self-pity.

I am an energetic person. Like this I was forced to work on the basic stuff and on the “little things” which means so much. Is the parade going through the whole body of the horse? How is the shoulder moving in the parade, how it moves in forward-down? Can I change between more and less stellning and can I get suppleness in every part of the horse?

And – last but not least: Do I give the right aids – or just like often more of the wrong ones, blaming the horse for not understanding me?

The three month shaped as a succession of lessons I either thought I’d learned before or I can just leave out.

At the beginning, three month appeared like an eternity. Not even close. Barely I was there, day by day passed and now I’m even home since three days.

I would have loved to stay, there is so much more to learn. But nevertheless I’m looking forward to the time to work out all the plans and ideas…

They will be a part of this blog as well as the time in Denmark and further reports about it.

 

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. werarocks sagt:

    Mir wurde mal gesagt, dass wann immer du denkst du kannst etwas, du besser noch einmal zu den Basics zurück kehrst und von vorne anfängst bis du den Fehler gefunden hast.

    Oder auch.

    Lektionen wiederholen sich bis sie gelernt sind.

    Viel Erfolg im neuen Kapitel!

    Gefällt mir

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